Schlafsäcke

Der Schlafsack ist eines der wichtigsten Dinge für das Leben auf Fahrt und auf Lager. Immerhin verbringt man etwa 1/3 der Reisezeit im Schlafsack. Da ist es besonders wichtig, dass man sich wohlfühlt und eine Atmosphäre der Behaglichkeit aufkommt und so die Erholung von den Belastungen des Tages erleichtert wird. Dieser Praxis-Tip soll Euch helfen, Euch vor dem Kauf zu orientieren, was Ihr braucht und das enorme Angebot gemäß Euren Bedürfnissen zu sortieren. Gleichzeitig werden hier Hinweise gegeben, wie Ihr den Schlafsack am besten handhaben und pflegen könnt, damit Ihr recht lange Freude daran habt. Darüber hinaus versuchen wir, die Fülle an Fachausdrücken ein wenig zu entwirren und zu erklären, was dahinter steckt. Material und Aufbau

Außenstoff

Der Außenstoff hat vor allem die Funktion, Feuchtigkeit und Wind abzuhalten. Dieses wird am besten von verschiedenen Kunstfasern erfüllt (Nylon, Polyestergewebe, Polyamidgewebe). Zudem sind diese Stoffe relativ schmutzunempfindlich und leicht zu säubern. Eine Thermomembrane, die optimal Feuchtigkeit von außen abhält und von innen durchlässt ist zwar sehr praktikabel, meist aber sehr teuer. Innenstoff

Kunststoffe sind wie oben beschrieben schmutzunempfindlicher als Baumwollstoffe. In der Regel halten sie auch länger und sind leichter. Allerdings werden Baumwollstoffe als wesentlich angenehmer auf der Haut empfunden, insbesondere wenn es warm wird (manche Kunststoffe "kleben" förmlich am Körper, wenn man schwitzt). Allergische Reaktionen treten zudem bei Baumwolle fast nie auf. Man kann auch durch die Verwendung eines Inletts aus Baumwolle diese Effekte erreichen und der Schlafsack wird dadurch sogar noch etwas wärmer.

Füllungen

Daune
Die feinen Verästelungen der Daunen und Federn sind in der Lage, viele kleine Luftpolster aufzunehmen. Diese dort gehaltene Luft sorgt für Isolation und damit Wärmerückhaltung. In Kunstfasern konnte bislang noch nicht diese Struktur nachgebaut werden. Ob die Daune von Enten oder Gänsen stammt, ist nicht so wichtig. Dagegen ist das Verhältnis von Daunen zu Federn von entscheidender Bedeutung, weil die Federn weit weniger verästelt sind und weniger wärmen. Die Qualität der Daune wird in folgende Bereiche unterschieden:

Je höher der Daunenanteil ist, desto wärmer ist der Schlafsack in der Relation zum Gewicht. Daune hat als Naturprodukt den Vorteil, wenig Rohstoffe bei der Produktion und Weiterbehandlung zu verbrauchen. Ihr Wärmerückhaltevermögen ist, je nach Verhältnis von Daune zu Feder, sehr groß und viele sind der Meinung, dass sich ein Daunenschlafsack besser anfühlt. Es gibt aber auch einige Nachteile zu Kunstfaser: Der Daunenschlafsack bedarf intensiverer Pflege, bei Feuchtigkeit klumpen die Daunen zusammen und wärmen nicht mehr. Zudem kann die Füllung verrutschen, In der Regel ist eine Daunenfüllung auch teurer als eine vergleichbare Kunstfaserfüllung. Manche Schlafsäcke sind mit aversinbehandelter Daune gefüllt. Aversin ist ein aus Naturstoffen hergestelltes Mittel, um die Daune nachzufetten. Dadurch klumpt auch feuchtgewordene Daune fast nicht mehr und isoliert selbst im feuchten Zustand noch einigermaßen.

Kunstfasern
Die Kunstfasern haben die Vorteile, pflegeleicht, atmungsaktiv und geruchlos zu sein. Sie schimmeln nicht und sind auch nicht wärmeempfindlich. Wenn sie feucht geworden sind, isolieren sie noch recht gut (60 % der Isolationsleistung im trockenen Zustand) und trocknen wieder schnell. Hollofill ist eine kurzgeschnittene hohle Polyesterfaser, die sich sehr weich anfühlt. Sie speichert Luft auch in ihrem Hohlraum, verliert aber relativ schnell an Loft.Quallofill ist eine Weiterentwicklung von Hollofill, wobei der Hohlraum nochmals in 4 Kammern unterteilt ist und dadurch eine höhere Wärmeleistung erzielt werden kann. Der Loftverlust ist ähnlich wie bei Hollofill.Polarguard ist eine Endlos-Polyesterfaser mit dem Vorteil, reißfest zu sein und sich im Schlafsack nicht zu verschieben.

Eine Silikonisierung der Kunstfasern lässt die Füllung sehr weich und bauschig werden.
Mit Loft wird die Höhe des unbelasteten Schlafsacks bezeichnet. Zwischen Loft und Wärmerückhaltevermögen besteht ein Zusammenhang in der Form, dass mehr Loft höhere Wärme bedeutet. Allerdings liegt der Körper auf der Unterseite, so dass im wesentlichen nur die obere Hälfte des Schlafsackes wärmt. Daune hält auch bei häufigem Gebrauch den Loft sehr gut. Wenn der Schlafsack im Laufe der Jahre an Loft verliert, so ist die Füllung wahrscheinlich verklebt und sollte gewaschen werden (siehe C. Pflege).

Form
Schlafsäcke werden in Decken- und Mumienform angeboten. Die Deckenform hat den Vorteil, dass der Schlafsack auch als Decke verwendet werden kann. Der größere Fußraum bringt zwar mehr Komfort, ist aber schwieriger zu erwärmen. Das verbraucht auch mehr Material und bringt mehr Gewicht mit sich. Bei vielen deckenförmigen Schlafsäcken ist der Kragen nicht zuziehbar und deshalb der Wärmeverlust größer. Ein sogenannter Wärmekragen in Mumienschlafsäcken ist ein abgenähtes Stück, das sich zwischen Kopf und Schultern legt und somit wärmedämmend wirkt.

Nahtformen
Grundregel: Mehr Kammern = bessere Isolation
Jedoch: Kammergröße muss mit der Füllmenge und -qualität abgestimmt sein, da sonst der Vorteil einer höheren Kammeranzahl dadurch verloren geht, dass entweder die Daunen verrutschen oder sich nicht richtig entfalten können.

Reisverschlüsse
Je nach Verarbeitung bietet der Rei6verschlu6 eine gute oder schlechte Wärmeisolation (Kältebrücke). Dieses hängt von der Abdeckung ab, die entweder innen oder außen angenäht ist:

Temperatur und Isolation
Jeder Mensch hat ein subjektives Wärmeempfinden. Dieses Wärmegefühl wird von weiteren Faktoren beeinflusst: Kreislauf, Rauchen, Alkohol, Erschöpfungszustand, Auskühlung und die Nahrungszufuhr sind Kriterien, die uns gleiche Aussentemperaturen anders empfinden lassen. Auch eine höhere Luftfeuchtigkeit und/oder stärkere Windgeschwindigkeiten lassen einen eher Kälte empfinden als bei trockenem und windstillen Wetter. Im Zelt liegt man allerdings schon recht geschützt. Ein wichtiger Faktor für die Wärmeisolation ist die Liegeunterlage, denn der Schlafsack kann dort, wo er zusammengedrückt wird, kein wärmendes Luftpolster bilden. Deshalb sollte auf jeden Fall eine Liegeunterlage verwendet werden, um die Bodenkälte abzuhalten. Es empfiehlt sich, lieber einen etwas zu warmen als einen zu kalten Schlafsack zu kaufen, denn nichts ist schlimmer als schlecht zu schlafen, weil man friert. Der Temperaturbereich von +8'C bis -1'C ist übrigens für alle Schlafsäcke problematisch, weil hier die Füllungen feuchter werden. Daune, sofern sie nicht aversinbehandelt ist, hat hier mehr Schwierigkeiten als Synthetik, da sie mehr Feuchtigkeit vom Körper aufnimmt. Die vom Hersteller angegebenen Temperaturwerte (Komfortbereich - Extrembereich) sind an Dummy-Puppen gemessene Werte. Wegen des unterschiedlichen subjektiven Wärmeempfindens können diese Temperaturangaben aber nur Richtwerte sein. Der Extrembereich ist als die Temperatur anzusehen, bei der man ohne "Schäden" eine Nacht verbringen kann. Orientieren kann man sich schon eher am angegebenen Komfortbereich, dessen oberer Wert auch für Kälteempfindliche eine relativ verlässliche Angabe bietet. Ein paar zusätzliche Wärmegrade bringt die Verwendung eines Schlafsack-Inletts (Innenbezug), der zudem leichter waschbar ist als der ganze Schlafsack.

Benutzungstip
Beim Einsteigen in den Schlafsack erwärmt sich der Körper am besten, wenn Arme und Beine erst einmal an den Körper gezogen werden und man sich dann nach und nach ausstreckt. Vor dem Hineinkriechen den Schlafsack gut aufschütteln, damit sich die Füllung gut verteilt und damit Luft in die Füllung kommt (insbesondere bei Daune wichtig). Anziehen braucht man auf keinen Fall mehr als daheim im Bett. Wer Probleme mit kalten Füssen hat, ist mit einem Paar Wollsocken gut beraten. Auf jeden Fall sollte aber feuchte Kleidung ausgezogen werden, um Verdunstungskälte und ein Feuchtwerden der Füllung (schlechteres Wärmerückhaltevermögen!) zu vermeiden. Es empfiehlt sich, den Schlafsack nach jedem Gebrauch gut auszulüften. Dies verhindert ein Muffeln und sorgt dafür, dass die Füllung völlig austrocknet.

Körpermaße
Der Schlafsack sollte dem Schläfer möglichst angepasst sein. Ein zu großer Schlafsack braucht länger, um erwärmt zu werden. Ein zu kleiner Schlafsack erzeugt Druckstellen, an denen die Füllung zusammen gepresst wird und es entstehen Kältebrücken. Dazu kommt der mangelnde Komfort, wenn man sich eingezwängt fühlt. Immerhin wechselt der Mensch in 8 Stunden 14 mal seine Körperlage und 70% aller Menschen ziehen ein oder beide Beine an. Bei Kindern ist der Schlafsack oft zu groß. Hier lässt sich durch einen einfachen Trick Abhilfe schaffen: Der Schlafsack wird am unteren Ende, ent- sprechend der Größe des Kindes, mit Hilfe eines Gürtels oder Seils, abgebunden. So kann es nicht mehr hineinrutschen und muss nur noch die richtige Menge er wärmen.

Wäsche
Es wird notwendig sein, den Schlafsack von Zeit zu Zeit zu waschen. Staub und Schmutz haften ihm an und insbesondere Daunenfüllungen verklumpen mit der Zeit und verlieren damit an Wärmeisolationsvermögen. Eine chemische Reinigung erscheint wenig sinnvoll, zumal die verwendeten Chemikalien nicht umwelt- und hautfreundlich zu nennen sind. Als Waschmittel empfiehlt sich ein Feinwaschmittel; bei Daunen ein rückfettendes Daunenwaschmittel. Die höchste Waschtemperatur beträgt 30'C. Am besten wird in einer großen Maschine(6-8 kg Fassungsvermögen) gewaschen. Ein sehr schonendes Verfahren ist eine Wäsche in der Badewanne (über Nacht einweichen). Zentrifugieren kann man ohne Bedenken. Am lockersten wird die Füllung, wenn in einem großen Trockner getrocknet wird. Bei Daunenschlafsäcken am besten einen alten Turnschuh dazutun, der die Füllung schön gleichmäßig. aufschlägt.

Lagerung
Den Schlafsack keinesfalls in feuchtem Zustand verpacken, sonst ist er bald "hinüber." Eine lockere Lagerung ist wichtig; Kunstfaserschlafsäcke halten eine gepresste Lagerung länger aus, aber bei längerem Nichtgebrauch sollten auch sie ausgepackt werden. Tip: in einem alten Kopfkissenbezug werden sie zudem nicht schmutzig. Damit die wasserabweisende Wirkung des Außenstoffs erhalten bleibt, ist die Verwendung eines Imprägnier- oder Nachimprägnierungsmittel durchaus empfehlenswert.

Reparatur
Auf Löcher im Innenstoff können Flicken aufgenäht werden. Ein Loch im Außenstoff ist am einfachsten mit selbstklebendem Reparaturstoff zu flicken. Aufbügelbare Materialien eignen sich nicht so gut, weil die Hitze die Füllung beschädigen kann.

Reisverschluss - Reparatur
Der Schieber hat in der Regel ein Spiel (l /20 mm).Nach Abnutzung(Gebrauch) kann es vorkommen, dass der Reisverschluss nicht mehr schließt. Einfache Abhilfe lässt sich dadurch schaffen, dass man die Backen des Schiebers mit einer Zange vorsichtig zusammendrückt.

Liegeunterlage
Eine Isoliermatte ist der einzig wirksame Schutz gegen Bodenkälte. Es gibt aber wesentliche Unterschiede: PE-Schaum-Isoliermatte: Nimmt kein Wasser auf, ist leicht, reißfest, elastisch und druckbeständig. Gute Isolation.Luftmatratze: Komfortabel, aber schwer und schlecht isolierend, weil die Luft in der Hülle zirkuliert und eine Wärmeaustausch stattfindet.Thermo-(Luft-) Matratze: Mit PU-Schaum gefüllt; leicht, warm und hervorragende Isolation. Tip: Mit geöffnetem Ventil lagern. Dadurch wird der Alterungsprozess des Schaumstoffes verlangsamt.Alu - Isoliermatte: Reflektiert Wärmestrahlung zum Körper hin und hält Feuchtigkeit vom Boden ab, Sehr leicht, aber als alleinige Unterlage wenig empfehlenswert.

Innenbezug (Inlett)
Aus Baumwolle oder Seide (leichter und teurer). Schützt vor Verschmutzung, ist leicht waschbar und bringt ein Plus an Isolation. Ein altes, zusammengenähtes Bettlaken oder ein DJH-Schlafsack reichen dafür vollständig aus

Biwak-Hülle
Eine wind- und wasserdichte Biwak-Hülle braucht man, wenn draußen ohne Zelt übernachtet wird (z.B. bei einem Hike). Das optimale Material ist eine Gore-Tex- ähnliche Membrane, die von außen dicht ist und von innen durchlässig. Die Biwak-Hülle bringt nochmals einen zusätzlichen Kälteschutz von etwa 5'C. Sie ist leicht und klein verpackbar.

Kompressionssack
Verringert das Packmaß des Schlafsacks durch weitere Komprimierung der Füllung. Diese gelingt bei Daunenschlafsäcken besser als bei Synthetikfüllungen.

Aus Rüsthaus Praxis-Tip Nr. 1


Letzte Änderung: Christian Hoffmann am: 13.03.2011 17:03 Uhr